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Aus der Arbeit des Gemeinderat: Waldbegang am 27.07.2021 um 18:30 Uhr

Autor: Monika Waiblinger
Artikel vom 05.08.2021

Waldbegang

Die Teilnehmer treffen sich um 18.30 Uhr vor dem Rathaus. Zur öffentlichen Sitzung in Form des Waldbegangs haben sich Forstinspektor Herr Hauser, Hegeringleiter Herr Götz, Fachbereichsleiterin Frau Spiegelhalter, Waldarbeiter Herr Mendler und Herr Schosser, zahlreiche Gemeinderäte und auch interessierte Jäger eingefunden.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Bürgermeister Traub wurden Fahrgemeinschaften gebildet um die einzelnen Waldbilder anzufahren.

Station 1 Abteilung 22/23 Müllers Teich / Buo

Frau Spiegelhalter nutzt die Gelegenheit sich vorzustellen und erklärt, dass sie ursprünglich aus dem Südschwarzwald kommt, in Freiburg Forstwirtschaft studiert hat und die letzten 5 Jahre in der Forstdirektion in Tübingen tätig war, bis sie die Stelle als Stellvertretende Fachbereichsleiterin der unteren Forstbehörde angetreten hat. Sie ist dabei zuständig für den Forstbereich Alb, ihr Bezirk reicht bis nach Bad Saulgau und umfasst 10 Reviere. Sie freut sich auf eine gute Zusammenarbeit.

Herr Hauser erklärt das erste Waldbild. Dabei handelt es sich um ein Arboretum. Es wurden 30 verschiedene Baumarten, unter anderem auch Robinien, Platanen und Mammutbäume gepflanzt. Es wurde vor etwa 7-8 Jahren gepflanzt. Der Bereich soll parkartig gestaltet werden, eine Bank ist schon vorhanden. Es wurden je Sorte 4-5 Bäume gepflanzt, später soll je Sorte ein Baum stehen bleiben der mit einer Informationstafel versehen werden soll. Für die Tafeln gibt es bereits eine Spendenzusage von Frau Zamzow. Später soll diese Anlage auch genutzt werden, um den Schülern die Möglichkeit zu geben, die Baumarten besser kennenzulernen.

Herr Hauser erklärt, dass die Fichte Probleme macht, er sich aber wundert, dass die Robinien, Platanen und auch die Mammutbäume so gut wachen auf der Alb.

Herr Hauser erklärt anhand eines Beispiels, dass im Wald die Pflanzstäbe aus Robinienholz sind, da das Holz langlebig ist und nicht so schnell verrottet.

An einem anderen Waldstück erklärt Herr Hauser, dass hier vor einem halben Jahr noch ein 160-jähriger Buchenbestand war. Hier gab es schon große Durchforstungen, die letzte vor ca. 10-12 Jahren. Dies war ein Verjüngungshieb. Die Qualität des Holzes liegt bei mittel bis schlecht, aufgrund des altersbedingten Rotkerns ist die Buche nicht mehr so viel wert. Hier wurden die Bäume von den Waldarbeitern gefällt und die Stämme dann vom Vollernter aus der Waldfläche herausgenommen und am Weg ausgeastet. Mit diesem Verfahren ist die Ausbeute größer und die Verjüngung wird geschont, da nicht so viele Äste im Waldbereich liegen bleiben. Die Rückegassen werden in einem Abstand von etwa 40 Metern gebildet. Herr Hauser erklärt, dass das sonst liegenbleibende Kleinholz und Reisig die Verjüngung stört und er in Neufra wenig Interessenten an Reisschlägen hat. Der Brennholzverkauf jedoch läuft gut. Nach der Durchforstung erfolgt die Schlagpflege, das heißt, die hängenden und beschädigten Äste werden abgeschnitten, die beschädigten Buchen abgesägt. Im Frühjahr werden Douglasien eingepflanzt. Ziel ist es, Laubbäume mit Nadelholz anzureichern.

Herr Götz erklärt, dass es gut ist, nicht so viel Fichte zu haben, da die Fichte anfällig ist für Verbiss.

Herr Hauser erklärt, dass die Mischung Douglasie mit Fichte sehr gut klappt.

Gemeinderat Pickl möchte wissen, warum es so viele freistehende Kiefern gibt?

Herr Hauser antwortet, dass der Marktpreis momentan schlecht ist und sie nicht stören.

Frau Spiegelhalter erklärt, dass dies kein Problem darstellt, da die Kiefer ja sehr stabil ist und eher nicht kaputt geht.

Herr Daikeler (Jagdpächter) meint, es gelte ja das Gesetz Wald vor Wild und möchte wissen wann dieses Gesetz geändert werden wird.

Frau Spiegelhalter meint, dass hier wohl eher keine Änderung in Sicht sein wird.

Herr Hauser verweist auf die noch liegenden Hiebreste und erklärt, dass diese bereits verkauft sind und bald abgefahren werden sollen. Er erklärt, dass der Verkauf von Nadelholz schleppend läuft, der Markt für Buche nicht groß sei. Im Oktober wurde mit der Holzernte begonnen, das Holz wurde mit Abschlag verkauft, da im Dezember der Markt schon voll war.

Im nächsten Waldbereich führt Waldarbeiter Mendler vor, wie mit Hilfe eines Freischneiders Äste und kleinere Bäume mit einem Durchmesser von 6-7cm gekappt werden. Herr Hauser erklärt, dass diese Arbeit mit dem Freischneider wesentlich einfacher ist als mit der Motorsäge.

Gemeinderat Dietmann möchte wissen warum hier nicht gemulcht wird, ihn stört, dass die ganzen Reste hier liegen bleiben.

Frau Spiegelhalter erklärt, dass ein Befahren der Fläche extremen Schaden verursachen würde, die Fläche würde sich Jahre lang nicht davon erholen. Sie erklärt, dass ein Befahren nur in Form von Rückegassen erfolgen soll, dies verursacht auch Schaden, aber dieser Preis müsse leider bezahlt werden.

Herr Daikeler (Jagdpächter) meint, dass durch das Zufrieren und Auftauen der Boden doch wieder gelockert wird.

Frau Spiegelhalter erklärt, dass dies zwar stimmt, aber der Boden nie mehr das werden wird, was er mal war. Der Boden bleibt verdichtet.

Herr Hauser meint, Rückegassen sind 30-40 Jahre im Wald sichtbar.

Er erklärt, dass Jungbestandspflege gemacht wird, um dem Wald ein Gesicht zu verleihen. Douglasien benötigen viel Licht, Buche wenig. Somit schlägt die Buche durch und die Douglasie bekommt zu wenig Licht. Die Douglasie ist sturmstabil und wertvoll, daher ist eine Jungbestandspflege wichtig, um diese zu schützen. Zur Jungbestandspflege gehört auch das Anlegen einer Drahthose um die Pflanze z.B. vor dem Verfegen der Rehböcke zu schützen. Außerdem muss die Douglasie laufend entastet werden, da nur mit astfreien Douglasien ein guter Preis erzielt werden kann. Hier können Preise von 130-140 €/m³ erzielt werden. In unserem Wald sind etwa 15.000 Douglasien, das heißt viel Arbeit in Sachen Umsorgung und Astung.

Die Astung erfolgt in 3 Stufen:

  1. Stufe bei einer Baumhöhe von 5 m wird auf 2 m Höhe geästet
  2. Stufe bei einer Baumhöhe von 9-10 m wird auf 5 m Höhe geästet
  3. Stufe bei einer Baumhöhe von 17-19 m wird auf 10 m Höhe geästet.

Ziel ist, den Stamm zu 2/3 astfrei zu halten.

Die Waldarbeiter zeigen mit Hilfe einer elektrischen Handastschere und einer ebenfalls elektrischen Astschere mit Stange (hier ist das Arbeiten bis in 5 m Höhe machbar) wie die Douglasie geästet wird. Mit Hilfe der elektrischen Scheren schafft man 10-12 Bäume/Stunde und die Wunden am Baum sind wesentlich kleiner.

Station 2 Abteilung 14 Bei der Hülb

Herr Hauser geht nun auf die vorhin gestellte Frage betreffend der Auswirkungen des vielen Regens ein. Er erklärt, dass dieser Wald einer der besten Wälder in Neufra ist. Es handelt sich um einen super Standort. Hier hatte man kaum Probleme mit Käferholz oder Sturmholz. Die letzten Jahre hatte man hier aber auch starke Trockenschäden, die Kronen wurden dürr, somit sind sie anfällig für den Borkenkäfer. Die Bäume sind nicht kaputt aber sie mussten raus damit sie keinen Schaden nehmen. Gut war, dass im Frühjahr die Holzpreise stark angestiegen sind, Holz wurde zu einem Preis von bis zu 90 € verkauft. Da es sich um Dürreschäden handelte bekam man noch eine Aufarbeitungsprämie von 6 € vom Staat dazu.

Herr Hauser erklärt noch, dass sich, mit Blicke auf den Holzmarkt und den wieder anziehenden Preisen zeigte, dass sich die Strategie der letzten Jahre als gut erwiesen hat. Gerade wird ein Sonderhieb gemacht, 500 Festmeter können für 120 € / m³ verkauft werden.

Frau Spiegelhalter erwähnt, dass aufgrund der jetzt guten Preise im nächsten Jahr auch noch ein Schlag von über 100% erfolgen sollte.

Herr Hauser erwähnt noch den Erhalt einer Bundeswaldprämie über 100 € / Hektar, das sind 65.000 € für Neufra.

Herr Rominger meint, dies sei auch als Vorsorge für die nächsten Jahre zu sehen.

Gemeinderat Pickl möchte wissen, wohin das Holz verkauft wird. Herr Hauser antwortet, dass das Holz an die Firma Schwörer und an den amerikanischen Handel geht.

Frau Spiegelhalter erklärt, dass entgegen der Pressemitteilungen Holz keine Mangelware ist, sondern nur der Preis höher ist. Für die Schreiner und ähnliches ist daher der Preis zu hoch. Es gibt eine gesetzliche Verpflichtung den Schlag einzudämmen bis zum November.

Herr Daikeler möchte wissen ob abzusehen ist, wie lange die Preise stabil bleiben werden.

Frau Spiegelhalter erklärt, dass dies unter anderem von den Zollbestimmungen zwischen den USA und Kanada abhängt. Verträge werden zwar jährlich gemacht, die Preise jedoch werden vierteljährlich verhandelt. Sie meint, unser kühles, feuchtes Klima tut gut. Es gibt kaum Käferbefall und dies wirkt sich gut auf den Holzpreis aus.

Ein Stück weiter zeigt Herr Hauser die Wirksamkeit der Schlagpflege. Zu sehen ist eine Schneise, hier wurden 4-5 Bäume vom Waldarbeiter gefällt und vom Vollernter vom Weg aus rausgenommen. Aufgearbeitet wurde das Holz am Weg, somit liegt Restholz nicht in der Verjüngung. Jetzt folgt hier Schlagpflege und in ein paar Jahren wird die Schneise wieder zu sein.

Die Naturverjüngung wird in fast allen Wäldern in Neufra durchgeführt, es kommt immer ein neuer Bestand nach, es muss nicht neu gepflanzt werden. Außerdem sind die so entstandenen Pflanzen nicht so anfällig wie die Pflanzen aus der Pflanzschule. Bei den Pflanzen aus der Pflanzschule ist aufgrund der gedüngten Triebe der Verbiss höher, sie sind anfällig für den Rüsselkäfer und der Pflegeaufwand ist sehr hoch.

Herr Götz lobt diese Naturverjüngung, diese macht den Jägern kaum Probleme. Er verweist aber darauf, dass dies bei den gekauften Pflanzen anders ist, er möchte, dass hier Verständnis aufgebracht wird. Schuldzuweisungen bringen uns nicht weiter, ein Miteinander ist erstrebenswert.

Der letzte Teil führt zu einer Kulturfläche, hier handelt es sich um eine Fläche mit gutem Boden. Ursprünglich war hier ein Kiefernbestand. Vor 2 Jahren wurden dann Bäume aus Hanglagen hier eingepflanzt. In den letzten 2 Trockenjahren ging hier nicht viel, jetzt durch den Regen ist hier gut die frische Nadelmasse zu sehen. Auch der von den Jägern angebrachte Teer am Stamm ist gut zu sehen. Frau Link (Pflanzhelferin) entfernt die Disteln aus den Drahthosen und schaut, dass alle Triebe wieder sauber in der Drahthose verstaut sind. 25-30% der Pflanzen waren aufgrund der Trockenheit im Vorjahr kaputt, daher erfolgte nun eine 2. Pflanzung. Es wurden auch 50 Douglasien nachgepflanzt. Es erfolgte eine Kennzeichnung um die gekauften und die eigenen Pflanzen unterscheiden und beobachten zu können. Am Anfang waren die Pflanzen aus der Pflanzschule deutlich schneller im Wachstum, später jedoch wurden zusehends unsere eigenen Pflanzen besser. Dies stützt die schon öfter gemachten, schlechten Erfahrungen mit den Pflanzen aus der Pflanzschule. Außerdem wurden auf dieser Fläche noch 15 Mammutbäume gepflanzt.

Nachdem es zu den forstlichen Themen keine Fragen mehr gibt, bedankt sich Bürgermeister Traub bei Herrn Hauser für die gute Vorbereitung, den Gemeinderäten für ihr zahlreiches Erscheinen und auch den Vertretern der Jägerschaft, Herrn Götz und Frau Spiegelhalter.