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Aus der Arbeit des Gemeinderat: Sitzung von 3. März 2026
icon.crdate17.04.2026
Gemeinderat
TOP 1: Vorstellung "NETZdialog" der Netze BW GmbH
- Kenntnisnahme
Bürgermeister Traub eröffnet die Sitzung, begrüßt Frau Stefanie Reiser, die Regionalmanagerin der Netze BW GmbH und Herrn Christoph Hahn, den Kommunalberater der Netze BW GmbH sowie drei weitere Zuhörer aus der Bürgerschaft.
Frau Stefanie Reiser, Regionalmanagerin der NetzeBW, informiert das Gremium über die Herausforderungen und Entwicklungen der Energieinfrastruktur. Ausgangspunkt der Präsentation war die sogenannte Infrastrukturwende, die alle Ebenen der Gesellschaft betrifft – Kommunen, Unternehmen sowie private Haushalte. In den kommenden Jahren müssen zahlreiche, weitreichende Entscheidungen getroffen werden.
Zentrale Herausforderungen ergeben sich insbesondere aus den politischen und gesetzlichen Zielsetzungen im Bereich Klimaschutz und Energieversorgung. In Deutschland sollen bis zum Jahr 2030 rund 80% der Stromversorgung aus erneuerbaren Energien stammen. In Baden-Württemberg gilt bereits seit 2022 eine Photovoltaik-Pflicht für Neubauten. Auch im Wärmesektor sind ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis 2030 sollen in Deutschland etwa 50% der Wärme klimaneutral erzeugt werden. Baden-Württemberg strebt eine vollständige klimaneutrale Wärmeversorgung bis zum Jahr 2040 an. Ein weiterer zentraler Baustein der Energiewende ist die Elektromobilität. Deutschland plant bis 2030 rund 15 Millionen vollelektrische Fahrzeuge sowie etwa eine Million öffentliche Landepunkte. Parallel dazu gewinnen Themen wie Digitalisierung der Verwaltung, IT-Sicherheit und der Schutz vor zunehmenden Cyberangriffen immer mehr an Bedeutung. Zusätzlich stellen die Folgen des Klimawandels – etwa häufigere Extremwetterereignisse wie Hitzewellen und Gewitter – neue Anforderungen an die Energieinfrastruktur.
Die EnBW ist in Baden-Württemberg stark regional verwurzelt. Das Unternehmen betreibt 89 Standorte, verfügt über 17 Aus- und Weiterbildungsstätten sowie vier Logistikzentren. Insgesamt sind rund 5.800 Mitarbeitende sowie etwa 800 Auszubildende im Unternehmen beschäftigt. Die Netze BW betreibt ein umfangreiches Versorgungsnetz mit folgenden Längen:
- Stromnetz: 97.387 km
- Gasnetz: 5.261 km
- Wassernetz: 2.574 km
Dies entspricht 649 Strom- und 134 Gaskonzessionen. Versorgt werden rund 2,34 Millionen Strom-, 240.937 Gas- sowie 104.234 Wasserkunden. Die Komplexität im Verteilnetz nimmt dabei kontinuierlich zu. Für die Gemeinde Neufra wurde die örtliche Netzstruktur näher dargestellt. Insgesamt sind dort 59,6 km Stromnetz verlegt. Dabei zeigte sich zwischen 2022 und 2024 eine zunehmende Umstellung von Freileitungen auf erdverlegte Kabel. Im
Mittelspannungsnetz= 21,2 km (+5,6%) und im Niederspannungsnetz= 38,4 km (+1,4%). Die Anzahl der Ortsnetzstationen liegt unverändert seit dem Jahr 2022 bei 21 Stationen. Die Hausanschlüsse stiegen auf 839.
Darüber hinaus wurde die Entwicklung der Anfragen für Erzeugungsanlagen im Netzgebiet der Netze BW zwischen 2020 und 2025 vorgestellt. Während im Jahr 2020 noch 19.895 Anlagen angefragt wurden, lag die Zahl im Jahr 2025 bereits bei 74.178. Auch die installierte Leistung nahm deutlich zu: von 926 MW im Jahr 2020 auf insgesamt 10.144 MW im Jahr 2025. In Neufra waren im Jahr 2025 insgesamt 206 Photovoltaikanlagen sowie 34 Balkonkraftwerke in Betrieb. Insgesamt wurden 2,656 MWh Strom in das Netz eingespeist. Die Einspeisung stieg im Zeitraum von 2023 bis 2025 um rund 41%.
Im Bereich Elektromobilität sind in Neufra derzeit 34 Ladestationen mit insgesamt 36 Ladepunkten bei der Netze BW gemeldet. Zudem gibt es 38 vollelektrische Fahrzeuge sowie 23 Plug-in-Hybridfahrzeuge.
Frau Reiser informierte das Gremium außerdem über mögliche Ursachen von Stromausfällen und erläuterte die steigenden Anforderungen an die Stromnetze durch den beschleunigten Ausbau des Klimaschutzes. Die Umsetzung der Netzentwicklungsplanung erfordert dabei erhebliche Investitionen in Baden-Württemberg. Hintergrund ist insbesondere der Ausbau erneuerbarer Energien sowie der schrittweise Ausstieg aus fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Erdgas. Gleichzeitig wird erwartet, dass sich der Strombedarf in Deutschland bis zum Jahr 2045 – unter anderem durch Elektromobilität und den verstärkten Einsatz von Wärmepumpen – etwa verdoppeln wird. Dies macht einen kontinuierlichen Ausbau der bestehenden Infrastruktur und leistungsstärkere Stromnetze erforderlich. Insgesamt wird bis zum Jahr 2045 mit Investitionen von rund 14,5 Milliarden Euro in das Hochspannungsnetz sowie mindestens 21 Milliarden Euro in die Mittelund Niederspannungsnetze gerechnet. Auch in der Gemeinde Neufra wurden in den Jahren 2022 bis 2025 bereits rund 964.000 Euro in verschiedene Projekte und Baumaßnahmen zur Stärkung des Stromnetzes investiert.
Abschließend berichtete Frau Reiser über bestehende Vorkehrungen sowie Notfall- und Präventionsmaßnahmen zur Sicherstellung einer stabilen Energieversorgung.
Der Vorsitzende bedankt sich bei Frau Reiser und Herrn Hahn für die Präsentation. Es sei eine große Herausforderung für die nächsten 20 Jahre, um klimaneutral zu werden. Dies funktioniere auch nur mit einer sehr guten Zusammenarbeit zwischen den Kommunen und den Energieversorgern. Die Gemeinde Neufra ist bereit, ihren Teil dazu beizutragen. Für die Netze BW sei es weiterhin eine riesige Aufgabe, nicht nur für die nächsten 20 Jahre, sondern für die Zukunft. Nicht nur die wirtschaftliche Darstellbarkeit, sondern auch die personelle Herausforderung. Die Informationen waren sehr interessant, so der Vorsitzende.
Ein Gemeinderat erkundigt sich nach der Entwicklung der Einspeisevergütung bis 2030. Herr Hahn erläutert hierzu, dass sich die Einspeisevergütung ständig verändert und ebenso größenabhängig sei.
Ein weiteres Ratsmitglied erkundigt sich nach den Primärregelenergieversorgern in der Region und ob die AGRI-PV Anlage zukünftig ein Regelenergieversorger werden könne? Frau Reiser erklärt, dass bis dato die in Neufra geplante Agri-PV-Anlage noch nicht bei der EnBW angemeldet oder besprochen wurde. Somit kann zum jetzigen Zeitpunkt die Frage nicht beantwortet werden. Herr Hahn ergänzte, dass grundsätzlich Photovoltaik, egal ob Agri-PV oder sonst eine Anlage, alles andere als ein Regelenergieerzeuger und auch kein Primärenergieerzeuger werden kann, da diese sehr stark wetterabhängig seien. Eine „Batterie“ könne das besser machen. Entscheidend sei die Größe der Batterie und PV-Anlage. Auch sei zu berücksichtigen, ob die Batterie das Netz stützt oder im schlimmsten Fall zusätzlich belastet. Welche Primärenergieversorger & Kraftwerke in der Region Regelerzeuger
sind, müsste nachgeschaut und im Nachgang mitgeteilt werden. Es gibt Gasturbinenkraftwerke, Wasserkraftwerke und Pumpspeicherkraftwerke.
Ein Zuschauer aus dem Zuschauerraum stellt den Antrag, um eine Frage zu stellen. Das Gremium stimmt diesem einstimmig zu. Der Zuschauer wollte wissen, wie Biogas-Anlagen eingestuft werden? Und ob diese rundlastfähig seien? Herr Hahn erklärt, dass dies grundsätzlich durchlaufende Erzeuger seien und sicherlich grundlastfähig sind.
Nachdem keine weiteren Fragen gestellt wurden, nimmt der Gemeinderat die Ausführungen zur Kenntnis.
TOP 2: Bauangelegenheiten
- Anbau eines Kaltscharrraumes an den bestehenden Legehennenstall, Flst. Nr. 6004/7 und 6007/1, Domäne Birkhof
- Beschlussfassung über das gemeindliche Einvernehmen
Der Vorsitzende erläuterte dem Gremium das Bauvorhaben, seitens der Verwaltung spricht nichts dagegen, das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen.
Ein Gemeinderat erkundigt sich, was denn ein Kaltscharrraum sei. Herr Martin Schwörer, der im Zuhörerraum war, konnte hier die Anwesenden über das Bauvorhaben genau aufklären. Ein Kaltscharrraum ist ein überdachter, windgeschützter, aber offener Außenklimabereich für Hühner mit einer flüssigkeitsundurchlässigen Bodenplatte und Einstreu. Er bietet den Tieren Schutz vor Nässe, ermöglicht das Scharren und Sandbaden, dient als Beschäftigung und reduziert Atemwegserkrankungen durch ein besseres Stallklima.
Nachdem keine weiteren Fragen gestellt wurden, erteilte das Gremium dem Bauvorhanden einstimmig sein Einvernehmen
TOP 3: Bekanntgaben, Anfragen, Sonstiges
Seitens der Verwaltung gibt es keine Bekanntgaben.
Schäden am „Judenweg“
Ein Gemeinderat meldete im Auftrag der Bürgerschaft Schlaglöcher im Judenweg. Der Vorsitzende wird dies an den Bauhof weitergeben.





